Martin Löwenberg – ein Leben gegen Faschismus, Unterdrückung und Krieg

Das Institut für Theologie und Politik (ITP) Münster zeigt:

es kann legitim sein, was nicht legal ist
martin löwenberg – ein leben gegen faschismus, unterdrückung und krieg

Dokumentarfilm von Petra Gerschner und Michael Backmund
Schnitt: Katrin Gebhardt-Seele – Filmmusik: Konstantin Wecker
dtOmU, 94 Minuten © München 2011 www.loewenberg-film.de

Mitveranstalter ist das KeinenMeter-Bündnis Münster, dem auch wir als Bündnis „Münster gegen Nazis“ angehören.


Martin Löwenberg

Fast zwei Jahrzehnte lang begleiteten die Filmemacher_innen den Widerstandskämpfer und ehemaligen KZ-Häftling Martin Löwenberg mit der Kamera, und suchten im Gespräch mit ihm und dem gemeinsamen Freund Konstantin Wecker nach Antworten auf die Fragen: Woher nimmt dieser Mann in seinem Alter das Verständnis für die praktische Tat, das Handeln, die jugendliche Ungeduld? Woher kommen seine Kraft und sein Mut? Wie entstand seine Unbeugsamkeit gegenüber staatlicher Willkür und Autoritäten? Und warum leuchten seine Augen noch immer auf, wenn er planend und organisierend politisch aktiv wird: für soziale Gerechtigkeit, gegen Ausgrenzung, gegen Krieg?

Als Jugendboxer trainierte Martin Löwenberg im Breslauer Postsportverein Stephan und verprügelte in der Freizeit mit seinen Freunden mehrfach den Streifendienst der Hitlerjugend. Die Freunde wehrten sich gegen die zunehmende Repression und Verfolgung unangepasster Jugendlicher. Später arbeitete Martin mit seinem älteren Bruder Fred in einem organisierten Widerstandsnetzwerk, und unterstützte osteuropäische Zwangsarbeiter mit Brotmarken und Informationen über den Kriegsverlauf. Im Mai 1944 nahm ihn die Gestapo fest. Nach tagelangen Verhören wurde er ins KZ Flossenbürg deportiert. In den KZ-Außenlagern Thil und Leitmeritz musste er bis zu seiner Befreiung Zwangsarbeit in unterirdischen Stollen leisten. Im Film werden die historischen Foto- und Filmdokumente zu seinen Erzählungen mit Aufnahmen der aktuellen Topographie dieser Handlungsorte konfrontiert.

Mit der Biografie von Martin Löwenberg schlägt dieser Dokumentarfilm einen Bogen über mehr als hundert Jahre Zeitgeschichte, von 1909 bis 2011. Gezeigt wird, wie sich Martin Löwenberg auch nach 1945 gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik engagierte, und wie er als Kommunist verfolgt wurde. Der Film dokumentiert Löwenbergs Unterstützung von Roma-Flüchtlingen in der KZ-Gedenkstätte Dachau, die Verhinderung von Naziaufmärschen, seinen Kampf für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter_innen. Durch Recherchen in deutschen und polnischen Archiven ist es gelungen, bisher unbekanntes Filmmaterial zu finden, das den Protagonisten bei historischen Ereignissen in Aktion zeigt, wie z.B. 1952 bei der Beerdigung von Philipp Müller, dem ersten von der Polizei erschossenen Demonstranten der jungen Bundesrepublik.

Die subjektive Protestgeschichte von Martin Löwenberg verknüpft der Film mit aktuellen Interviews, aber auch historischen Bildern aus Wroclaw (früher Breslau), Dachau, Flossenbürg, Essen und München. Martin Löwenberg spricht von seinen Visionen damals – nach der Befreiung aus dem KZ , und heute. Er entwickelt im Film eine besondere Form der Reflektion von Geschichte: dabei verschränken sich die Ebenen von Zeit und Inhalt in Erzählsträngen, die die Vergangenheit in der Gegenwart präsent werden lassen.

Mittwoch, 13. November 2013
19:00 Uhr
Cinema (Warendorfer Str. 45 – 47)
Eintritt: € 7,50 (erm. € 6,-)
Der Filmemacher Michael Backmund wird nach der Vorführung zu einem Gespräch bereitstehen.

Ausschluss:
Die Veranstalter_innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren, oder von dieser auszuschließen.